


BLAU ist keine Farbe, BLAU ist ein Statement!
Der Blick taucht hinein, kann darin versinken oder sich dort verlieren. BLAU wirkt bei Sabine Becker wie eine monochromatische Implosion und erzeugt eine Sogwirkung, der man sich nur schwer entziehen kann. Farbe ist ihr eigentliches Ausdrucksmittel, und die Reduktion auf die Farbe BLAU, genauer Kobaltblau, ist das zentrale Merkmal für die aus Lübeck stammende und in Konstanz am Bodensee arbeitende Künstlerin. Für Sabine Becker ist BLAU nicht einfach eine Farbe. BLAU ist für sie ein Statement, eine Bekundung, eine Botschaft.
Mit der Farbe BLAU verbinden wir aufgrund unserer Ur-Erfahrungen zunächst Himmel und Wasser und als Ergebnis dieser Primärerfahrungen gilt BLAU durch seine atmosphärische Tiefenwirkung als Farbe der Ferne, Farbe der unbegrenzten Dimension sowie als Sinnbild für Unendlichkeit. Nichts ist ohne sein Gegenteil wahr! Wo blaue Grenzenlosigkeit herrscht, wird Begrenzung gesucht ... und gefunden, in den mattschwarzen Eisenrahmen.
Bei den neueren Arbeiten der Künstlerin bedecken miloriblaue, schwarz wirkende, horizontale Linien das Kobaltblau. Linie für Linie gruppiert sich zu einem flächigen Gebilde und das Auge sucht das BLAU in einer verborgenen Struktur.
Wie beim Lesen eines Schriftzuges tastet der Betrachter die Linien ab. Indem die Linien wie ein endloses Schriftband erscheinen, ohne Anfang und ohne Ende, verstärken sie das Blau in seiner Wirkung als Farbe der Endlosigkeit. BLAU an sich besitzt keine inhaltliche Bedeutung, BLAU provoziert jedoch Gedankenflüge in die Weite. Für den Betrachter wird, so scheint es, die Zeit gedehnt. Oder, wie Friedrich Nietzsche es ausdrückt: „Zeit ist blau, wenn sie mal Pause macht.“ Gerade in unserer heutigen hektischen Zeit, in der viele das Gefühl haben, dass das tempobestimmte Klima die Gegenwart schrumpfen lässt, kann die Reduktion der Malerei auf die Farbe BLAU eine kontemplative, gegensätzliche Erfahrung beim Kunstbetrachter erzeugen. Die Künstlerin schafft mit ihren kobaltblauen Werken ein Medium zur Entschleunigung und zielt auf eine Verlangsamung der Wahrnehmung.
Sabine Beckers Arbeiten zeigen eine pudrig - strukturierte Oberfläche, welche die Materialität von Farbe betont und einen stark haptischen Charakter besitzt. Ihre Arbeiten sind in zahlreichen öffentlichen Sammlungen vertreten, und waren auf Ausstellungen von A wie Appenzell bis T wie Tokio zu sehen.
Ein Leben ohne BLAU ist möglich, aber sinnlos!
Michael Kühl-Lenjer